
Was eine Quote wirklich aussagt
Eine Quote ist keine Vorhersage — sie ist ein Preisschild, und wie bei jedem Preis kann man zu viel bezahlen. Die meisten Eishockey-Wetter behandeln Quoten wie Wahrscheinlichkeiten: Steht die Quote bei 2,00, gehen sie davon aus, dass der Buchmacher dem Ergebnis eine 50-Prozent-Chance gibt. Das ist nur halb richtig. Die Quote bildet eine Wahrscheinlichkeit ab, aber mit einem Aufschlag — der Marge des Buchmachers. Und genau diese Differenz zwischen der tatsächlichen Wahrscheinlichkeit und dem, was die Quote suggeriert, entscheidet darüber, ob eine Wette langfristig profitabel ist oder nicht.
Im Eishockey kommt eine Besonderheit hinzu: Die Quoten bewegen sich schneller und stärker als in den meisten anderen Sportarten. Ein Tor verändert die Moneyline-Quote innerhalb von Sekunden. Eine Strafzeit verschiebt die Live-Quoten für die nächsten zwei Minuten. Und der Torwart-Pull in der Schlussphase dreht die Over/Under-Linie auf den Kopf. Wer Eishockey-Quoten nicht lesen kann — und zwar nicht nur die Zahl, sondern das, was dahintersteckt —, bewegt sich auf einem Markt, dessen Preislogik er nicht versteht.
Dieser Artikel erklärt, wie Eishockey-Quoten funktionieren: von den Formaten über den Quotenschlüssel und die Margenberechnung bis zur Frage, wie man Live-Quotenbewegungen interpretiert und Value erkennt. Kein Hokuspokus, keine Geheimformeln — aber die handwerklichen Grundlagen, ohne die jede Wettstrategie auf Sand gebaut ist.
Wer Quoten versteht, trifft nicht automatisch bessere Prognosen. Aber er trifft bessere Wettentscheidungen — und das ist ein Unterschied. Eine gute Prognose nützt wenig, wenn man sie zum falschen Preis kauft. Und eine durchschnittliche Prognose kann profitabel sein, wenn man konsequent nur dann wettet, wenn der Preis stimmt. Quoten sind das Werkzeug, das die Brücke zwischen Analyse und Wette schlägt — und wer dieses Werkzeug beherrscht, hat im Eishockey-Wettmarkt einen strukturellen Vorteil.
Ein Aspekt, der gerade bei Livewetten zentral wird: Quoten im Eishockey ändern sich nicht nur durch den Spielverlauf, sondern auch durch den Markt selbst. Wenn viele Wetter gleichzeitig auf denselben Ausgang setzen, verschiebt der Buchmacher die Linie — nicht weil sich an der Spielsituation etwas geändert hat, sondern weil er sein Risiko ausbalancieren muss. Wer diesen Unterschied versteht — Quotenbewegung durch Spielereignis versus Quotenbewegung durch Marktdruck —, kann die Signale richtig interpretieren und die falschen Bewegungen von den echten trennen.
Quotenformate: Dezimal, fraktional, amerikanisch
Dezimal, fraktional, amerikanisch — drei Formate, dieselbe Information. Wer auf Eishockey wettet, begegnet je nach Buchmacher und Region unterschiedlichen Quotenformaten. In Europa dominiert die Dezimalquote, im angelsächsischen Raum die fraktionale Quote, und in Nordamerika das amerikanische Format. Alle drei drücken dasselbe aus — die Relation zwischen Einsatz und potenziellem Gewinn —, aber die Darstellung unterscheidet sich, und wer zwischen den Formaten nicht sicher umrechnen kann, verliert im Quotenvergleich den Überblick.
Die Dezimalquote ist die am weitesten verbreitete Form in Europa und die intuitiv verständlichste. Eine Quote von 2,40 bedeutet: Für jeden eingesetzten Euro erhält man im Gewinnfall 2,40 Euro zurück — also den Einsatz plus 1,40 Euro Gewinn. Die implizite Wahrscheinlichkeit ergibt sich aus der Formel 1 geteilt durch die Quote: 1 / 2,40 = 41,7 Prozent. Diese Zahl ist allerdings die Rohwahrscheinlichkeit inklusive Marge — die bereinigte Wahrscheinlichkeit ist höher, aber dazu mehr im Abschnitt zur Margenberechnung.
Die fraktionale Quote, auch Bruchquote genannt, zeigt das Verhältnis von Gewinn zu Einsatz. Eine Quote von 7/5 bedeutet: Für fünf Euro Einsatz erhält man sieben Euro Gewinn — also 12 Euro Gesamtauszahlung, was einer Dezimalquote von 2,40 entspricht. In der Praxis begegnet man fraktionalen Quoten bei britischen Buchmachern und gelegentlich bei internationalen Anbietern, die mehrere Formate parallel anbieten. Für Eishockey-Wetter aus dem deutschsprachigen Raum sind fraktionale Quoten selten relevant, aber wer englischsprachige Wettanalysen liest, sollte sie interpretieren können.
Das amerikanische Format ist das ungewöhnlichste — und gleichzeitig das wichtigste für NHL-Wetter. Amerikanische Quoten werden als positive oder negative Zahl dargestellt. Eine negative Zahl wie –150 zeigt den Favoriten an: Man muss 150 Euro einsetzen, um 100 Euro Gewinn zu erzielen. Das entspricht einer Dezimalquote von 1,67. Eine positive Zahl wie +130 zeigt den Außenseiter: Ein Einsatz von 100 Euro bringt 130 Euro Gewinn, was einer Dezimalquote von 2,30 entspricht. Die Umrechnung wird mit der Übung schnell intuitiv, aber zu Beginn empfiehlt sich ein Quotenrechner, um Fehler zu vermeiden.
Für die Praxis gilt: Die meisten europäischen Buchmacher erlauben es, das Quotenformat in den Einstellungen zu wechseln. Wer sich mit der Dezimalquote wohlfühlt, kann sie als Standard beibehalten. Aber wer NHL-Analysen auf amerikanischen Plattformen verfolgt — und das sollte jeder ernsthafte NHL-Wetter tun —, kommt um das amerikanische Format nicht herum. Die dortigen Analysten, Tippgeber und Quotenvergleichsportale arbeiten ausschließlich mit American Odds, und eine Empfehlung wie „Take the Oilers at –155“ muss man lesen können, um sie einordnen zu können.
Der Quotenschlüssel: Die versteckte Gebühr
Der Quotenschlüssel ist der Preis, den der Buchmacher für seine Dienstleistung nimmt — und er variiert erheblich. Jeder Buchmacher baut in seine Quoten eine Marge ein: Die Summe der impliziten Wahrscheinlichkeiten aller Ausgänge eines Marktes ergibt nicht 100 Prozent, sondern mehr. Die Differenz ist die Marge, und der Quotenschlüssel gibt an, wie viel von den eingesetzten Geldern als Gewinn ausgeschüttet wird. Ein Quotenschlüssel von 95 Prozent bedeutet: Von jedem eingezahlten Euro fließen langfristig 95 Cent als Gewinne zurück an die Wetter, und 5 Cent behält der Buchmacher.
Im Eishockey variiert der Quotenschlüssel je nach Liga und Buchmacher deutlich. Für NHL-Spiele bei den Topanbietern liegt er typischerweise zwischen 94 und 97 Prozent auf dem Moneyline-Markt. Für DEL-Spiele sinkt er auf 89 bis 93 Prozent. Für kleinere Ligen wie die SHL, die Liiga oder die ICEHL kann er unter 90 Prozent fallen. Der Unterschied klingt marginal, ist aber über eine Saison mit regelmäßigen Wetten signifikant: Wer bei einem Buchmacher mit 92 Prozent Schlüssel wettet statt bei einem mit 96 Prozent, verliert pro Wette im Schnitt vier Prozent mehr an Marge — das ist über 200 Wetten eine erhebliche Summe.
Die Berechnung des Quotenschlüssels ist denkbar einfach. Man addiert die impliziten Wahrscheinlichkeiten aller Ausgänge: Wenn ein Buchmacher für ein Eishockey-Spiel die Dreiweg-Quoten 2,30 (Heim), 3,60 (Unentschieden) und 2,80 (Auswärts) anbietet, ergibt sich: 1/2,30 + 1/3,60 + 1/2,80 = 0,435 + 0,278 + 0,357 = 1,069. Das entspricht einem Überstand von 6,9 Prozent, also einem Quotenschlüssel von etwa 93,5 Prozent (berechnet als 1/1,069). Je näher der Wert an 100 Prozent liegt, desto fairer sind die Quoten für den Wetter.
Die Marge ist nicht gleichmäßig auf alle Ausgänge verteilt. Die meisten Buchmacher belasten den Favoriten stärker als den Außenseiter — das heißt, die Quote für den Favoriten ist verhältnismäßig niedriger als sie sein müsste, während die Quote für den Außenseiter näher am fairen Wert liegt. Dieses Muster hat eine praktische Konsequenz: Wer regelmäßig auf Außenseiter setzt, zahlt im Schnitt weniger Marge als jemand, der Favoriten bespielt. Das heißt nicht, dass Außenseiterwetten per se profitabler sind — aber der Margeneffekt verschiebt die Gewinnschwelle zugunsten des Außenseitertippers.
Für Livewetten steigt die Marge typischerweise an. Die Buchmacher erhöhen ihren Aufschlag in Echtzeit, weil die Risikobewertung komplexer ist und die Quotenanpassung unter Zeitdruck erfolgt. Bei einem NHL-Spiel kann der Quotenschlüssel Pre-Match bei 95 Prozent liegen und live auf 90 Prozent oder weniger fallen — insbesondere in volatilen Spielphasen wie dem Powerplay oder der Schlussminute. Wer live wettet, bezahlt also mehr für den Komfort der Echtzeitwette und muss seine Trefferquote entsprechend höher ansetzen, um die Marge zu kompensieren.
Der Quotenschlüssel ist kein Qualitätsmerkmal des Buchmachers als Unternehmen, aber ein Qualitätsmerkmal seines Angebots für den Wetter. Ein Anbieter mit einem konstant hohen Quotenschlüssel spart dem Wetter langfristig Geld — und dieser Effekt ist stärker als die meisten Boni, Aktionen oder Sonderangebote, die Buchmacher zur Kundenbindung einsetzen. Wer ernsthaft auf Eishockey wettet, wählt seinen Hauptbuchmacher nicht nach dem Willkommensbonus, sondern nach dem durchschnittlichen Quotenschlüssel für die Ligen, die er bespielt.
Quotenbewegung in Echtzeit: Warum Eishockey-Quoten so volatil sind
In der 58. Minute bei Gleichstand bewegen sich Eishockey-Quoten schneller als in jeder anderen Sportart. Was beim Fußball ein gradueller Prozess ist — langsame Quotenverschiebungen über 90 Minuten —, passiert beim Eishockey in Schüben. Ein Tor verschiebt die Moneyline sofort um 30 bis 50 Cents. Eine Strafzeit verändert die Live-Quoten für die nächsten zwei Minuten. Und der Torwart-Pull in der Schlussphase löst eine Kaskade von Quotenanpassungen aus, die Over/Under, Moneyline und Handicap gleichzeitig betreffen.
Was Quoten in Bewegung bringt
Die Haupttreiber der Quotenbewegung im Eishockey sind Spielereignisse und Wettvolumen. Ein Tor ist der offensichtlichste Treiber: Das führende Team wird günstiger, das zurückliegende Team teurer. Aber die Anpassung ist nicht linear — ein 1:0 in der fünften Minute verschiebt die Quote weniger als ein 1:0 in der 55. Minute, weil die verbleibende Spielzeit die Ausgleichswahrscheinlichkeit bestimmt. Je weniger Zeit bleibt, desto stärker reagiert die Quote auf den aktuellen Spielstand.
Strafzeiten sind der zweite große Quotentreiber. Wenn ein Team in Unterzahl gerät, steigt die Torwahrscheinlichkeit für das Überzahlteam — in der NHL werden etwa 20 Prozent aller Powerplays in ein Tor umgemünzt. Die Live-Quoten passen sich entsprechend an: Der Over-Markt wird günstiger, die Moneyline des Überzahlteams sinkt leicht, und spezielle Märkte wie das nächste Tor verschieben sich zugunsten des Teams in Überzahl. Diese Anpassung dauert wenige Sekunden, und wer die Strafzeit kommen sieht — etwa nach einem offensichtlichen Foul —, hat ein kurzes Zeitfenster, bevor die Quoten reagieren.
Timing: Wann sich der Einstieg lohnt
Die Drittelpausen sind die wichtigsten Zeitfenster für Live-Wetter. Zwischen den Dritteln stehen 18 Minuten zur Verfügung, in denen die Quoten zwar angepasst werden, aber die Anpassung auf Basis statischer Daten erfolgt — Spielstand, Schüsse, Strafzeiten. Was in den Quoten nicht vollständig abgebildet wird, ist die Spielqualität: Welches Team hatte die gefährlicheren Chancen? Wer dominierte im neutralen Eisbereich? Wie stabil wirkte der Torwart? Wer das Drittel aufmerksam verfolgt hat und diese Fragen beantworten kann, hat in der Drittelpause einen Informationsvorteil, der sich in einer gezielten Wette auf das nächste Drittel umsetzen lässt.
Das zweite lukrative Zeitfenster liegt in der Phase unmittelbar nach einem Tor. Die Quoten springen, aber sie überspringen gelegentlich: Nach einem Ausgleichstreffer zum 2:2 in der 50. Minute kehren die Moneyline-Quoten nicht exakt auf den Ausgangswert vor dem 1:2 zurück, sondern berücksichtigen den Momentum-Schwung des ausgleichenden Teams. Wenn man der Meinung ist, dass der Momentum-Effekt überbewertet wird — was die Daten nahelegen, denn im Eishockey hat das Team, das gerade ausgeglichen hat, keine statistisch höhere Wahrscheinlichkeit, auch das nächste Tor zu schießen —, kann man die Gegenseite spielen.
Ein dritter Faktor, den erfahrene Livewetter beobachten: die Quotenbewegung bei Torwart-Wechseln. Wenn ein Team seinen Starter gegen den Backup tauscht — sei es wegen schwacher Leistung, Verletzung oder taktischer Entscheidung —, reagieren die Quoten nicht immer proportional zum tatsächlichen Leistungsunterschied zwischen den beiden Goalies. In der NHL kann der Unterschied zwischen Starter und Backup mehrere Prozentpunkte in der Save Percentage ausmachen, was sich direkt auf die Torwahrscheinlichkeit auswirkt. Wer die Backup-Qualität der beteiligten Teams kennt, kann in diesen Momenten Quoten spielen, die den wahren Einfluss des Torwart-Wechsels nicht vollständig abbilden.
Value erkennen: Marktquote gegen eigene Einschätzung
Value findet man nicht durch Gefühl — sondern durch den Abgleich von Marktquote und eigener Einschätzung. Value Betting ist kein Mysterium, sondern eine Rechenaufgabe: Wenn die eigene Einschätzung der Siegwahrscheinlichkeit höher ist als die Wahrscheinlichkeit, die die Quote impliziert, liegt Value vor. Wenn ein Wetter einem Team eine 55-prozentige Siegchance gibt und die Quote 2,00 steht — was 50 Prozent impliziert —, beträgt der Value fünf Prozentpunkte. Über viele solcher Wetten hinweg akkumuliert sich dieser Vorteil.
Die Herausforderung liegt in der Genauigkeit der eigenen Einschätzung. Der Buchmacher hat algorithmische Modelle, historische Daten und die kollektive Intelligenz des Wettmarktes auf seiner Seite. Der einzelne Wetter hat lokales Wissen, Spielbeobachtung und die Fähigkeit, qualitative Faktoren einzubeziehen, die Algorithmen schwer erfassen — Teamchemie, Motivationslage, taktische Anpassungen nach einer Länderspielpause. In der NHL sind die Quotenlinien effizienter als in der DEL, weil mehr Geld und mehr Analyse auf dem Markt sind. Value in der NHL zu finden ist schwieriger, aber nicht unmöglich — es erfordert Spezialisierung auf bestimmte Teams, Spielsituationen oder Märkte.
Ein praktischer Ansatz zur Value-Erkennung im Eishockey: die Opening-Line-Analyse. Die Eröffnungsquoten, die am Morgen des Spieltags gesetzt werden, spiegeln die erste Einschätzung des Buchmachers wider. Bis zum Anpfiff verschieben sich die Quoten durch eingehendes Wettvolumen und neue Informationen. Wenn die Opening Line für den Heimsieg bei 1,90 steht und bis zum Anpfiff auf 1,80 sinkt, hat der Markt den Heimsieg als wahrscheinlicher eingestuft als der Buchmacher ursprünglich annahm. Wer die Ursache dieser Bewegung kennt — etwa eine Verletzungsmeldung oder eine erwartete Aufstellungsänderung — und eine eigene Meinung dazu hat, kann entscheiden, ob die Korrektur berechtigt oder übertrieben ist.
Value-Erkennung erfordert Disziplin. Nicht jede Wette, die sich gut anfühlt, ist ein Value Bet. Und nicht jeder Value Bet gewinnt — das liegt in der Natur der Wahrscheinlichkeit. Ein Value Bet mit einer geschätzten Wahrscheinlichkeit von 55 Prozent verliert in 45 Prozent der Fälle, und fünf verlorene Value Bets in Folge sind statistisch erwartbar und kein Zeichen dafür, dass die Methode nicht funktioniert. Wer Value Betting als Langzeitstrategie versteht und nicht nach jeder Verlustserie die Methode wechselt, gibt dem mathematischen Vorteil die Zeit, sich zu entfalten.
Ein letzter Aspekt: Value existiert nicht nur bei der Moneyline. Over/Under-Linien, Handicaps, Drittelwetten — jeder Markt kann Value bieten, wenn die eigene Einschätzung von der Marktzahl abweicht. Eishockey-Wetter, die sich auf Over/Under spezialisieren und die Torwahrscheinlichkeit bestimmter Paarungen besser einschätzen können als der Buchmacher, finden Value möglicherweise häufiger als diejenigen, die sich auf die Siegfrage konzentrieren. Die Spezialisierung auf einen Markt ist keine Einschränkung — sie ist ein Hebel, weil die Analysetiefe pro Markt steigt und die Treffsicherheit der eigenen Einschätzung zunimmt.
Margenberechnung: Die Mathematik hinter der Quote
Marge ausrechnen ist Grundschul-Mathematik — aber die meisten Wetter machen es nie. Dabei ist die Margenberechnung das effektivste Werkzeug, um die Fairness einer Quote zu beurteilen und die langfristigen Kosten des Wettens zu kalkulieren. Die Formel ist simpel: Man berechnet die implizite Wahrscheinlichkeit jedes Ausgangs (1 geteilt durch die Quote), addiert alle Wahrscheinlichkeiten und subtrahiert 1. Das Ergebnis ist die Marge in Dezimalform.
Ein Durchrechnungsbeispiel für ein NHL-Spiel: Toronto Maple Leafs gegen Montreal Canadiens, Moneyline-Quoten 1,75 (Toronto) und 2,15 (Montreal). Die impliziten Wahrscheinlichkeiten sind 1/1,75 = 57,1 Prozent für Toronto und 1/2,15 = 46,5 Prozent für Montreal. In Summe: 57,1 + 46,5 = 103,6 Prozent. Die Marge beträgt 3,6 Prozent, was einem Quotenschlüssel von 96,5 Prozent entspricht. Das ist ein guter Wert — der Buchmacher nimmt 3,6 Cent pro eingesetzten Euro als Dienstleistungsgebühr.
Für die Dreiweg-Wette sieht die Rechnung ähnlich aus, nur mit drei Ausgängen. Angenommen, dasselbe Spiel bietet Quoten von 2,10 (Toronto), 3,80 (Unentschieden) und 3,20 (Montreal): 1/2,10 + 1/3,80 + 1/3,20 = 47,6 + 26,3 + 31,3 = 105,2 Prozent. Die Marge liegt bei 5,2 Prozent — höher als bei der Moneyline, weil der Dreiweg-Markt mehr Ausgänge hat und der Buchmacher auf jedem Ausgang eine Marge aufschlägt.
Warum ist die Margenberechnung im Alltag relevant? Weil sie den Buchmachervergleich objektiviert. Wenn Anbieter A für dasselbe Spiel eine Marge von 3,5 Prozent bietet und Anbieter B eine Marge von 6,0 Prozent, ist die Entscheidung klar — bei gleicher Wette bezahlt man bei Anbieter B fast doppelt so viel Gebühr. Über eine Saison mit 200 Wetten und einem Durchschnittseinsatz von 20 Euro summiert sich die Differenz auf 100 Euro oder mehr — Geld, das bei Anbieter A in der Bankroll geblieben wäre.
Die Margenberechnung hilft auch bei der Bewertung von Livewetten. Wer in der Drittelpause eines NHL-Spiels eine Live-Wette platzieren will, kann in 30 Sekunden die Marge des aktuellen Live-Marktes ausrechnen und entscheiden, ob der Aufschlag akzeptabel ist. Wenn die Pre-Match-Marge bei 4 Prozent lag und die Live-Marge auf 8 Prozent gestiegen ist, bezahlt man doppelt so viel — und muss seine Trefferquote entsprechend höher ansetzen, damit die Wette langfristig profitabel bleibt.
Für Eishockey-Wetter, die regelmäßig zwischen mehreren Ligen wechseln, lohnt sich eine Tabelle mit den durchschnittlichen Margen pro Liga und Buchmacher. Die Erstellung dauert eine Stunde: Man nimmt zehn Spiele pro Liga, berechnet die Marge für den Moneyline-Markt bei drei oder vier Anbietern und bildet den Durchschnitt. Das Ergebnis zeigt auf einen Blick, bei welchem Anbieter welche Liga am günstigsten bespielbar ist — und diese Information bleibt über eine gesamte Saison weitgehend stabil, weil die Margenstruktur der Buchmacher sich nur selten grundlegend ändert. Eine Stunde Aufwand zu Saisonbeginn, die sich über Monate auszahlt.
Quoten lesen reicht nicht
Quoten verstehen ist Handwerk. Quoten interpretieren ist Erfahrung. Wer die Formate kennt, den Quotenschlüssel berechnen kann und die Margenstruktur versteht, hat die handwerkliche Basis gelegt. Aber die eigentliche Arbeit beginnt erst danach: bei der Frage, ob eine bestimmte Quote in einer bestimmten Spielsituation fair, zu hoch oder zu niedrig ist. Diese Einschätzung lässt sich nicht aus einer Formel ableiten — sie erfordert Spielkenntnis, Erfahrung und die Bereitschaft, sich regelmäßig mit den Daten auseinanderzusetzen.
Die Quotenwelt im Eishockey ist dynamischer als in den meisten anderen Sportarten. Ein Fußballspiel hat 90 Minuten mit kontinuierlichem Spielfluss und seltenen Ereignissen, die die Quoten drastisch verschieben. Ein Eishockey-Spiel hat drei Drittel mit Pausen dazwischen, regelmäßige Strafzeiten, die das Spielgeschehen alle paar Minuten verändern, und eine Schlussphase mit Torwart-Pull, die jedes knappe Spiel in ein statistisches Sonderereignis verwandelt. Wer diese Dynamik versteht und in Echtzeit einordnen kann, findet im Eishockey-Quotenmarkt mehr Gelegenheiten als in jeder anderen Sportart.
Die Werkzeuge sind zugänglich. Quotenvergleichsportale zeigen die besten verfügbaren Quoten für jedes Spiel. Quotenarchive dokumentieren Opening Lines und Schlussbewegungen. Statistikportale liefern die Datenbasis für die eigene Wahrscheinlichkeitseinschätzung. Was nicht zugänglich ist — und was kein Artikel der Welt liefern kann — ist die Urteilskraft, die entsteht, wenn man über Monate und Jahre hinweg Quoten beobachtet, Wetten platziert und die Ergebnisse analysiert. Quotenkompetenz ist keine Theorie, die man einmal lernt und dann anwendet. Sie ist ein fortlaufender Prozess, der mit jeder Saison schärfer wird.
Wer hier angelangt ist und die Quotenmechanik verstanden hat, steht am Anfang dieses Prozesses. Die Mathematik steht. Das Verständnis für Marge, Format und Bewegung ist vorhanden. Was jetzt folgt, ist Praxis — und die Bereitschaft, aus jeder Wette zu lernen, ob gewonnen oder verloren. Dabei hilft ein einfaches Ritual: Nach jedem Wettabend die platzierten Wetten notieren, die Quoten festhalten, die eigene Einschätzung dokumentieren und nach dem Ergebnis prüfen, ob die Quotenanalyse korrekt war. Nicht das Ergebnis der einzelnen Wette zählt, sondern ob die Quotenbewertung über viele Wetten hinweg konsistent besser ist als der Markt. Wer diese Gewohnheit entwickelt, baut über die Saison eine Datenbank auf, die mehr wert ist als jedes Wett-Tutorial.